Dr. Menja Holtz

Forschungsschwerpunkte

(Gesamt)amerikanische Kolonialgeschichte und anti-koloniale Bewegungen, indigene Geschichte (Schwerpunkt Irokesen-Liga/Haudenosaunee und Lenape/Delaware) und Herrnhuter Mission, Wissenschaftsaustausch Lateinamerika – Deutschland, Europäische Expansion, Wissenschaftsdiskurse, Geschichtspolitik und Erinnerungskultur

Forschungsprojekt

Missionarische versus „Indigene“ Perspektiven auf die Lenape-Welt des 19. Jahrhunderts.

Wer sich fragt, wie kolonisierte Gesellschaften mit den weitreichenden Veränderungen ihrer Welt umgingen, wird manchmal in Missionsarchiven fündig. So auch in den Archivalien der global operie­renden Herrnhuter Mission, die ihre Missionare zu regelmäßigem Tagebuch- und Bericht­schrei­ben anhielt. Deren Beobachtungen öffnen ein Fenster in die Vergangenheit von Menschen, die selbst keine schriftlichen Berichte verfassten. Dies ist faszinierend – es ist, als schaue mensch auf eine Szenerie aus Sicht eines (meist männlichen) Missionars, der mittendrin war. Dass sein Blick ent­stellt und (ab)wertet, ist allerdings ernst zu nehmen und als Teil der historiographischen Auf­ar­bei­tung der Kolonialgeschichte zu betrachten. Die Diskrepanz zwischen den kolonialen Blicken und der indige­nen Realität war jedoch so groß, dass wir uns ernsthaft fragen müssen, was wir überhaupt aus solchen Quellen rekonstruieren können.

Ich verfolge mit dieser Studie das Ziel einer ausgewogenen Darstellung der Lenape Welt im 19. Jahr­hundert. Hierfür unterziehe ich die Herrnhuter Quel­len einer kritischen Analyse unter Zuhilfe­nah­me der Methodik der „Indian History“, die u.a. vom Überleben („Survivance“, nach G. Vizenor) als Akt des Widerstands ausgeht und das historische Bewusstsein indigener communities betont. Ich frage:

Was ist der Herrnhuter Blick (auf die Lenape)? Wie verändert er sich im Laufe der Zeit, und kann er mit der Legitimierung anderer kolonialer Akteure verglichen werden?

Gibt es „zwischen den Zeilen“ Hinweise auf Gegendarstellungen, oder gibt es sie anderswo?

Was kann ich letztendlich über die Lenape Welt sagen? Ich nenne es bewusst Lenape Welt, da ich nicht „die“ Lenape beschreiben kann, aber doch einige Aspekte der Welt, in der sie lebten: die Region, die Entwicklungen und Akteure darin, die vorherrschenden Lebensweisen und Praktiken.

Welche Formen des Umgangs mit der kolonialen Situation kann ich erkennen, was davon kann als widerständig bezeichnet werden?

Werdegang

Seit 2018: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichtswissenschaft; Lehrstuhl für Neuere Geschichte, zuständig für außereuropäische Geschichte

 

Ethnohistorisches Projekt: Delaware Biography from Moravian Sources: The Moravian Fairfield Mission in Ontario, 1792-1902 (gefördert durch die Gerda-Henkel Stiftung); Anbindung an das Historische Seminar der Leibniz Universität Hannover und an das Ethnologische Institut der Goethe Universität Frankfurt

 

Assoziiertes Mitglied im Forschungsverbund Cultural Heritage als Ressource?

 

Dozentin am Soziologischen Institut der Universität Hannover

 

Dozentin für die Offene Hochschule Deutschland

 

Mitglied des DFG-Netzwerks Dynamiken interkultureller Begegnungen

 

Stipendiatin des DFG-geförderten Graduiertenkollegs Kulturkontakt und Wissenschaftsdiskurs an der Universität Rostock

 

Erlangung des Doktorgrads (rer.pol.) an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock; Promotionsschrift: Lateinamerikanische Doktoranden der Sozial- und Geistes-wissenschaften in Deutschland – Zu Geschichte und Problemen des Wissenschaftsaustausches im interkulturellen Dialog (Erstgutachter: Prof. Dr. Nikolaus Werz)

 

Magisterprüfung an der Leibniz Universität Hannover im Fach Geschichtswissenschaft, Magisterarbeit: Aufnahme, Integration und Rückkehr von MigrantInnen – untersucht am Fall chilenischer Exil in Hannover, 1973-1994

Publikationen (Auswahl)

Monographien

Wissenschaftsaustausch als hierarchisierter Transfer – Lateinamerikanische Promotionen in Deutschland, 1910-2009; Baden-Baden: Nomos, 2012

 

Aufnahme, Integration und Rückkehr von MigrantInnen – Das chilenische Exil in Hannover 1973-94; Stuttgart: ibidem, 2004

 

Herausgeberschaften

mit Anke Fischer-Kattner/Martina Kopf/Eva Spies: „Room for Manoeuvre: The Role of Place in (Inter-)Cultural Encounters“, in: Comparativ – Zeitschrift für Globalgeschichte und vergleichende Gesellschaftsforschung

 

Themenheft mit Esther Möller/Franziska Torma/Eva Spies: „Auf der Spur der Dinge. Materialität in der interkulturellen Begegnung“; in: Saeculum, 66/02, 2016

 

mit Silke Hoklas /Nicole K. Konopka /Insoon Park /Claudine Mponge Esong: BildBewegung. Bilder von Migration - Migration von Bildern; Rostock: Rostocker Universitätsdruckerei, 2009

 

Artikel

„The Unexpected Finding: Self-Representation in Portrait Photographs of 19th-Century Lenape People“; in: Journal of Moravian History 2/2018

 

„Material Traces of Cultural Encounter in a Northeast-American Mission Town“; in: Saeculum, 66/02, 2016; S. 189-206

 

„The Cuban Experience in East Germany: Academic Migration from 1960 to 2000“; in: Bulletin of Latin American Research, 33/4, 2014; S. 468–483

 

Mit Catharina Peeck: „Direitas ja! – Soziale Bewegungen in Brasilien fordern gerechte Ökonomie und Mitbestimmung“; in: Torben Ehlers (Hg.): Soziale Bewegungen in Lateinamerika; Hamburg: Argument, 2013; S. 303-338

Raum:

Schleinitzstraße 13, 1. OG, Raum 108

 

Telefon:

0531/391-3097

 

E-Mail:

m.holtz[at]tu-bs.de

 

Sprechstunden:

Mittwochs: 16:00 - 17:00 Uhr