Neuerscheinungen

"Also sprach Sarah Tustra": Nietzsches sozialistische Irrfahrten.

Mit der deutschen Teilung nach dem Zweiten Weltkrieg ging auch eine geteilte Rezeption Friedrich Nietzsches einher. In Ost und West hatte man auf je eigene Weise Probleme mit dem unbequemen Denker, der durch die nationalsozialistische Werkexegese zusätzlich gelitten hatte. Matthias Steinbach hat dem DDR-Verhältnis zu Nietzsche nachgespürt und entwirft so einerseits ein auch autobiografisch untersetztes zeithistorisches Panorama, andererseits gelingt ihm ein spannender Blick auf den Umgang mit Philosophie und ihren Protagonisten überhaupt.

Rezensionen:
Braunschweiger Zeitung vom 05.10.2020

Christian Raupach (TV 38)

 

"Hitler war'n Spast und 'n Massenmörder. Was soll ich seine Biographie lesen". Mein Kampf in der Schule. Eine Diskussion

»Mein Kampf« in der Schule. Die Forderung, die nach der kritischen Edition des Münchner Instituts für Zeitgeschichte im Frühjahr 2016 laut wurde, verdient ein Fragezeichen. Hitlers autobiografisches Weltanschauungsbuch, so die damaligen kultusministeriellen Verlautbarungen Bayerns oder Thüringens, tauge nun endlich, wissenschaftlich eingehegt und widerlegt, auch für den Geschichtsunterricht – zur Erklärung des Nationalsozialismus, zur Immunisierung gegen rechtes Gedankengut und zum Einüben demokratischen Handelns. Vorliegende Diskussionsbeiträge von Studierenden und Dozenten der Technischen Universität Braunschweig, von Lehrerinnen und Lehrern der Region sowie städtischem Publikum reagierten auf die Debatte und ein in Sachen Hitler noch immer schwieriges Verhältnis von Wissenschaft und Unterricht wie von Geschichte und Geschichtspolitik.

Von der Spiegelgasse in den Kreml

 

ZeitgeschichteN, Band 17

 

Seit 1914 saß Wladimir Iljitsch Lenin in der neutralen Schweiz fest. Obgleich nie ein „Agent des Kaisers“, konnte er im April 1917 dank deutscher Unterstützung nach Russland ausreisen. Für Churchill wurde er damals von den Deutschen „wie ein Pest-Bazillus“ ins verdämmernde Zarenreich eingeschleust. Dabei war Lenin mehr als nur ein Objekt oder „Projektil“ im Spiel der Weltkriegspolitik. In der „szenischen Lesung“, die aus diplomatischen wie literarischen Quellen  arbeitet und mit einem Dokumentenanhang versehen ist, erscheint er als strenger Theoretiker, aber auch als skrupelloser Pragmatiker der Revolution, der seine Gegner besser kannte als sie ihn. Ob Lenins Reise eine „Sternstunde der Menschheit“ war, wie noch Stefan Zweig behauptete, oder nur ein folgenschwerer Unglücksfall der Geschichte – darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Lenins Sieg entzauberte die Revolution. Was blieb, war eine Menschheitshoffnung.

 

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Erinnerung sichtbar machen

Braunschweiger Vorträge zur Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands 2009/2010

 

Hrsg: Matthias Steinbach & Michael Ploenus

 

Der Band versammelt die Beiträge der Vortragsreihe Geteilte Erinnerungen – deutsche Geschichten, die im Wintersemester 2009/2010 an der TU Braunschweig stattfand. Sie spürt jenen deutsch-deutschen Geschichten nach, die sich im Schatten der Mauer zugetragen haben und sich – wie deren Splitter – verstreuen und verflüchtigen. Selbst harte politisch-militärische Grenzen wie der römische Limes, die chinesische Mauer oder Europas Eiserner Vorhang unterliegen am Ende dem Naturgesetz des Wandels – von einer trennenden Demarkationslinie und Angstzone hin zu einem verbindenden Kulturraum. Allerdings, und insofern stimmt das mit dem Naturgesetz nur bedingt, geschieht derlei nie von selbst. Man muss die Dinge anfassen und die Frage nach den Geschichten dahinter stellen. Es ist an uns, sie zu erzählen, wieder und wieder.

 

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Der Fall Hodler: Krieg um ein Gemälde 1914-1919

 

 ZeitgeschichteN, Band 13

 

In der Jenaer Universität hängt Ferdinand Hodlers Wandgemälde »Auszug der deutschen Studenten in den Freiheitskrieg von 1813«. Entstanden als Auftragswerk zum 350. Gründungsjubiläum der Hohen Schule im Jahr 1908, geriet es in die Kritik, nachdem der Schweizer Maler im September 1914 eine Protestnote gegen die deutsche Kriegführung in Belgien und Frankreich unterzeichnet hatte. Um das Bild entspann sich daraufhin einer der größten Kunstskandale des deutschen Kaiserreichs. Die realsatirische Verarbeitung des Bilderstreits als szenische Lesung bietet, kommentiert und um zeitgenössische Dokumente ergänzt, einen möglichen Zugang zum Kulturkrieg von 1914. Die Affäre mit ihren berühmten Protagonisten Ernst Haeckel und Rudolf Eucken ist dabei mehr als nur historische Etüde oder nationaldeutsche Posse. Offenbart sie doch, wie eine durch internationalistische Tendenzen in Wissenschaft und Kunst abgeschwächte patriotische Grundstimmung im Kriegsfall in wüsten Fremdenhass umschlagen kann und selbst ästhetische Beurteilungskriterien dann dem Primat des Politischen unterliegen.

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Mobilmachung 1914: Ein literarisches Echolot

 

Hrsg.: Matthias Steinbach

 

»Es geht in den Krieg wie die Ente ins Wasser...« So beschrieb eine deutsche Diplomatengattin in London, was sie im August 1914 sah und hörte: wie nicht nur in Deutschland die Begeisterung über einen Anlass zum Krieg und die Überzeugung, ein solcher Krieg sei von nationalem Vorteil und gewinnbar, Überhand nahm – eine Kriegslüsternheit, die uns heute schier unbegreiflich ist.
Diese vielstimmige Anthologie unternimmt es, den oft beschworenen »Geist von 1914« in seinen höchst unterschiedlichen Ausprägungsformen, die »Augusterlebnisse«, zu rekonstruieren, die seelische Atmosphäre zu Beginn und die brutale Ernüchterung, die folgte, aus autobiographischen Texten und literarischen Selbstzeugnissen zu charakterisieren.

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Rezensionen zum Nachhören:

WDR3

MDR Figaro

 

 

Alexander Cartellieri. Tagebücher eines deutschen Historikers. Vom Kaiserreich bis in die Zweistaatlichkeit (1899-1953)

 

Hrsg.: Matthias Steinbach & Uwe Dathe

 

Die kritisch kommentierte Edition der Tagebücher des Historikers Alexander Cartellieri (1867-1955) leistet einen Beitrag zur Geschichte der Geschichtswissenschaft in systemübergreifender und transnationaler Perspektive zwischen Kaiserreich und deutscher Zweistaatlichkeit. In seltener Kontinuität lässt sich anhand des über 76 Jahre geführten Selbstzeugnisses zeigen, wie ein deutscher Historiker mit Frankreichschwerpunkt sein Metier im Wandel der Zeit betrieb und in welchen personellen und strukturellen Zusammenhängen sich sein Oeuvre und seine Disziplin im Rahmen universitärer Wissenschaften entfaltete. Interessant zu beobachten ist es zudem, wie der Historiker die politischen Umbrüche und Wechselfälle des deutschen Jahrhunderts erlebte und verarbeitete. Das hier erstmals in Auszügen veröffentlichte Diarium gibt insgesamt Aufschluss über Leben und Werk eines international tätigen und gleichwohl stark national verwurzelten Historikers.

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Rezensionen:

http://www.hsozkult.de/review/id/rezbuecher-22576?title=test-url-titel (Gerhard A. Ritter)

http://www.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2015-2/ZG/steinbach-dathe_schoettler?searchterm=carte (Peter Schöttler)

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=19847 (Julian Köck)

http://www.recensio.net/rezensionen/zeitschriften/francia-recensio/2016-1/19-21-jahrhundert-epoque-contemporaine/alexander-cartellieri (Christian Amalvi)

 

C’est un document exceptionnel que publient les éditions Oldenburg de Munich. Exceptionnel, il l’est à plusieurs titres. En premier lieu, en raison de sa longueur: démarrant en janvier 1899, un an après la mort de Bismarck, le journal s’arrête en décembre 1953, quelques mois après la disparition de Staline. Il couvre ainsi plus d’un demisiècle d’une histoire particulièrement dense et tragique pour le monde, l’Europe en général et l’Allemagne en particulier, dont la chronique est tenue par un observateur très compétent en raison de son immense culture historique. Il l’est ensuite à cause de son foisonnement narratif.

Il convient d’être très reconnaissant à Matthias Steinbach et Uwe Dathe d’avoir exhumé ce monument et de l’avoir si bien présenté à ses lecteurs: par son introduction, ses notes de bas de page, ses index, ce volume est digne de l’érudition incarnée en son temps par Alexander Cartellieri. Il faut à present songer à faire connaître ce document exceptionnel à tous ceux qui sont passionnés par une période si tragique de l’histoire de l’Europe, mais qui ne lisent pas l’allemand. À mon humble avis, une équipe francoangloallemande d’historiens et de germanistes devrait se mettre au travail, peutêtre sous l’égide de l’UNESCO, pour aboutir à une traduction complète en anglais et en français, et, si ce n’est pas possible en raison de la longueur du »Journal«, du moins à une sélection des passages les plus significatifs, notamment ceux qui concerne la guerre de Trente Ans, la période 1914–1945, qui correspond au suicide du continent européen. Ce serait une très utile contribution à la connaissance de l’histoire européenne, pour le meilleur et pour le pire …

 

 

Prüfstein Marx
Zu Edition und Rezeption eines Klassikers

 

Hrsg.: Matthias Steinbach & Michael Ploenus

 

Marx ist en vogue und wird angesichts globaler Krisen wieder als potenzieller Problemlöser befragt. Dagegen plädieren die Herausgeber dafür, Marx und den Marxismus in seiner Vielgestaltigkeit historisch-kritisch zu lesen und mithin sine ira et studio zu erforschen. Jenseits ideologischer Grabenkämpfe geht es um den unverstellten Blick auf einen großen Denker und dessen Nachhall in Wissenschaft und Gesellschaft des 20. und 21. Jahrhunderts. Der vorliegende Band vereint Beiträge, die der Editions- und Rezeptionsgeschichte nachspüren – und Marx gleichsam als intellektuellen Prüfstein begreifen.

 

 

 


Wie der gordische Knoten gelöst wurde. Anekdoten der Weltgeschichte, historisch erklärt

Hrsg.: Matthias Steinbach

 

 

 

 

Der sagenumwobene gordische Knoten, der Herrschaft über ganz Asia, also Persien demjenigen versprach, der ihn löste, wurde von Alexander dem Großen, der natürlich um seine Bedeutung wusste, ganz einfach durchgehauen. Der Kern dieser wohl berühmtesten Anekdote der Weltgeschichte: Mit Gewalt geht alles schneller (kaputt). Historiker mögen diese Erzählform nicht unbedingt, aber sie können sie mit Gewinn nutzen zur Erhellung des Allgemeinen und des Hintergründigen hinter allen Fakten. Der vom Braunschweiger Historiker Matthias Steinbach zusammengestellte Band unternimmt genau dies: In kürzeren Essays werden allgegenwärtige Geschichtsanekdoten von Alexander dem Großen bis zu Helmut Kohl im Hinblick auf ihre mindestens doppelte Wahrheit erklärt und interpretiert.

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Rezensionen:

Saskia Handro, in: H-Soz-u-Kult 06.08.2014

 

 

 

Kartoffeln mit Flöte. Friedrich der Große – Stimmen, Gegenstimmen, Anekdotisches

Hrsg.: Matthias Steinbach

 

 

 

 

Reclam huldigt Friedrich dem Großen nicht mit einer womöglich verehrungsvollen Biographie, sondern mit einem fröhlich vielgängigen Fritz-Menü samt vielstimmiger Tafelmusik. Denn über den Inbegriff historischer (nicht moralischer!) Größe bei faktischer Kleinheit (ein Meter fünfundsechzig) gibt es jede erdenkliche Meinung und Einschätzung und jeden diametralen Gegensatz: der zarte und früh gebrochene Jugendliche, der allgegenwärtige, alles und jedes kommentierende Landesvater, der eitle Feingeist und Philosoph, der alte kranke Mann am Krückstock, der populäre Schlachtenlenker des Siebenjährigen Kriegs, der »böse Mann« (so Maria Theresia). Überwölbt zudem von den weißen und schwarzen Preußenlegenden der Geschichtsschreibung von vorbildlichem Staat und räuberischem Militarismus. All dies wird in sowohl anekdotischer wie analytischer Form in fünf abwechslungsreichen Kapiteln versammelt, über den Kronprinz, den Feldherrn, den Philosoph, den Alten Fritz und die Nachwelt.

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Rezensionen:

Christian Eger: Kartoffeln mit Flöte, in: Mitteldeutsche Zeitung, 29.11.2011